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hermoosa blog

Keramik Ohrringe oder Polymer Clay: Was ist der Unterschied?

Warum ich mit echtem Ton arbeite und was das mit deinem Schmuck zu tun hat.

Keramik Ohrringe oder Polymer Clay: Was ist der Unterschied?

Es gibt gerade extrem viel Polymer Clay Schmuck auf dem Markt. Schönen, bunten, kreativen Schmuck. Und trotzdem habe ich mich für einen anderen Weg entschieden.

Nicht weil es ein schlechtes Material ist. Ich habe mich selbst damit ausprobiert. Aber Ton ist mein Material der ersten Wahl. Es ist der Prozess, die Art wie das Material reagiert und was dabei in mir passiert. 

Die Formbarkeit und das Ursprungsmaterial sind anders. Und wahrscheinlich ist es die Natürlichkeit, die mich von Anfang an fasziniert und ein Stück zu mir selbst zurückgeführt hat. Ton kommt aus der Erde. Er hat eine Wärme, einen Ausdruck, den ich bei keinem anderen Material so finde.

Seit 2008 begleitet mich Keramikschmuck. Mal mehr, mal weniger im Vordergrund. Aber er war immer da. Es ist das Herzstück meiner Arbeit.

Was mich bis heute fasziniert, ist der Entstehungsprozess. Und die Glasuren. Manches kommt anders aus dem Ofen als erwartet. Eine Farbe fällt tiefer aus, eine Oberfläche entwickelt sich anders. Das ist kein Fehler. Das ist der Grund, warum jedes Stück ein Unikat ist.

Auf Fotos sieht beides manchmal ähnlich aus. Was das bedeutet und wie du den Unterschied erkennst, darum geht es hier.

Was ist Polymer Clay und was ist Fimo?

Fimo ist ein Markenname. So wie Tempo für Taschentücher. Der Oberbegriff heißt Polymer Clay, auf Deutsch Polymerton: eine Knetmasse auf Kunststoffbasis, die im Haushaltsbackofen bei 110 bis 130 Grad für etwa 30 Minuten backt und dann fest wird.

Was ist echte Keramik und was hat Polymer Clay damit zu tun?

Keramik ist ein Oberbegriff für alle Materialien, die aus Ton geformt und bei hohen Temperaturen im Brennofen gebrannt werden. Porzellan ist Keramik, Steinzeug und Steingut gehören ebenfalls dazu. Was sie unterscheidet, ist der Brand, die Dichte und damit auch der Verwendungszweck. Steingut ist poröser und braucht zwingend eine Glasur, weil er sonst wasserdurchlässig ist. Steinzeug ist dichter. Porzellan ist die feinste, härteste und edelste Variante der Familie. Ich habe bereits mit allen dreien gearbeitet. Porzellanschmuck hat sogar noch ein eigenes Kapitel bei mir, aber das ist eine andere Geschichte.

Polymer Clay gehört nicht in diese Familie. Es ist ein anderes Material mit einem anderen Prozess. Trotzdem werden beide oft verwechselt, weil sie auf Fotos manchmal ähnlich aussehen können.

Welches Keramikmaterial verwende ich und warum?

Ich arbeite mit Steingut, einem Ton, der bei etwa 1000 bis 1050 Grad Celsius gebrannt wird. Es ist von Natur aus porös und nimmt Feuchtigkeit auf, wenn er unbehandelt bleibt. Deshalb braucht es zwingend eine Glasur, die die Oberfläche versiegelt und schützend abschließt.

Und genau da fängt meine Begeisterung an. Die Auswahl an farbigen Glasuren für Steingut ist enorm. Matte Oberflächen, glänzende, kristalline. Jedes Mal, wenn ich eine neue Glasur teste, bin ich gespannt was am Ende rauskommt. Dazu kann ich mit Steingut trotzdem hauchdünn und filigran arbeiten, ohne dass die Stabilität leidet.

Zweimal brennen: was passiert da genau?

Keramik muss mindestens zweimal in den Ofen.

Erster Brand, der Schrühbrand: bis zu 950 Grad Celsius. Das chemisch gebundene Wasser im Ton verdampft vollständig, organische Bestandteile verbrennen. Der Rohling wird fest und porös. Man nennt das Ergebnis Scherben. Stabil, aber noch unfertig.

Wichtig: Ton schwindet beim Brand. Je nach Material schrumpft ein Stück um 10 bis 15 Prozent. Das muss ich beim Formen bereits einrechnen.

Zweiter Brand, der Glasurbrand: erst jetzt zeigt sich die Kraft der Farbe.

Glasuren sind keine Farben im herkömmlichen Sinne. Wie der Name schon sagt entsteht ein glasähnlicher Überzug. Es sind mineralische Mischungen aus Metalloxiden, Silikaten und Flussmitteln, die bei hohen Temperaturen schmelzen und sich fest mit dem Scherben verbinden. Ich arbeite mit Niedrigbrandglasuren, passend zum Steingut.

Was dabei entsteht, ist eine ausdrucksstarke Oberfläche. Je nach Glasur und Schichtdicke entsteht etwas völlig anderes. Dünn aufgetragen wirkt sie anders als dick. Klar, tief, manchmal fast Bonbonartig lecker. Etwas, das so kein anderes Material für mich kann.

Glasieren auf kleinen Teilchen

Glasieren auf kleinen Schmuckteilchen ist eine eigene Sache. Meine Teilchen sind hauchdünn. Ich trage die Glasur mit dem Pinsel auf. Das braucht das perfekte Tempo und ein gutes Gefühl für die richtige Menge. Zu langsam, klebt alles am Pinsel. Zu viel, läuft es daneben. Das richtige Tempo, die richtige Menge. Das entwickelt sich mit den Jahren. Mein Gespür dafür wird immer feiner. Und trotzdem kann was schiefgehen.

Jede neue Glasur teste ich zuerst auf Testfliesen, bevor sie auf die echten Stücke kommt. Und selbst dann hat der Ofen das letzte Wort.


Was beim Glasieren passiert und warum ich es liebe.

Bevor ich glasiere brauche ich Raum und Ordnung auf meinem Arbeitsplatz. Am Ende wird's chaotisch aussehen, aber ich brauche den anfänglichen Überblick um motiviert loszulegen. Jeder Pinsel an seinem Platz, kein Chaos im Blickfeld. Musik an. Und dann kann es losgehen.

Glasieren braucht für mich Muse und Zeit. Manchmal sind das ein paar Stunden. Manchmal eine ganze Woche, wo ich voll im Glasur-Flow bin und durchziehe.

Ich arbeite mit sehr kleinen Teilchen. Die kleinsten Schmuckteilchen aus Ton haben sechs Millimeter Durchmesser. Die größten runden Stücke ca. dreißig Millimeter. Bis eine Brennplatte voll ist, und drei Platten passen in den Ofen, können schon ein paar Tage vergehen.

Ich trage die Glasur mit einem zarten Pinsel auf die bereits geschrühten Teilchen auf. Die Konsistenz ist wie dünnflüssiger Joghurt, die Farben matt, fast blass. Dabei muss ich zügig arbeiten: Der poröse Scherben entzieht der Glasur sofort die Feuchtigkeit.

Bevor die Stücke in den Ofen können, müssen sie erst vollständig durchtrocknen. Was ich auf den Teilchen sehe, gibt noch keinen Hinweis auf das, was der Brand daraus macht.

Und dann kommen die zwei Momente, die ich am meisten mag.

Der erste: wenn alle Teilchen glasiert und getrocknet sind, ich sie auf die Platten schlichte, die Temperatur einstelle und den Ofen hinter mir schließe. In diesem Moment steigt schon eine extreme Vorfreude in mir auf.

Der zweite: wenn ich am nächsten oder übernächsten Tag den Ofen öffne und die Farben und Formen mir in ihrer ganzen Schönheit entgegen springen. Was vorher blass und matt war, ist jetzt tief, leuchtend, lebendig. Dieser Moment macht jedes Mal aufs Neue etwas mit mir.

Wie erkennst du den Unterschied?

Und wenn dich das neugierig gemacht hat, ob dein Schmuck aus echter Keramik ist oder aus Polymer Clay, es gibt einen einfachen Test.

Tippe mit dem Fingernagel auf das Schmuckstück. Polymer Clay klingt dumpf, plastisch. Echte Keramik klingt hell und klar. Wie Porzellan.

Auch die Optik verrät es. Polymer Clay hat oft eine gleichmäßige, glatte Oberfläche. Keramikglasuren haben Tiefe, manchmal minimale Unregelmäßigkeiten. Kein Fehler. Der Beweis, dass hier ein Material lebt.

Und die Haptik: Keramik fühlt sich kühl an. Glatt, fest. Einen Hauch wie ein Stein. Polymer Clay fühlt sich wärmer an, einen Tick weicher.

Ist Keramikschmuck eigentlich schwer?

Das kommt darauf an, wie der Schmuck gearbeitet ist. Es gibt Keramikohrringe und Ohrstecker, die die Ohren beschweren. Meine sind sehr fein und filigran gearbeitet, nichts Klobiges, nichts, das zieht. Man merkt den ganzen Tag nicht, dass man sie trägt.

Polymer Clay und Keramik im Vergleich

Wenn du dir das alles nochmal kompakt anschauen willst: hier sind die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick.

Polymer Clay (Fimo) Echter Keramikschmuck
Material Kunststoff (PVC) Natürlicher Ton
Härtung 110–130 °C, 30 Min, Backofen 950–1200 °C, Stunden, Keramik-Brennofen
Oberfläche Durchgefärbte Masse, Lackierung möglich Glasähnlicher Überzug (eingeschmolzene Mineralglasur)
Haptik Warm, leicht plastisch Kühl, glatt, steinähnlich
Klang Dumpf Hell, wie Porzellan
Herkunft Synthetisch Organisch, aus der Erde


Das findest du bei Hermoosa

Ton kommt aus der Erde. Er wird von meinen Händen geformt und verwandelt sich im Feuer zu kleinen Kostbarkeiten. Jedes Stück zweimal gebrannt, glasiert, einzeln geprüft. Das ist die Zeit und die Sorgfalt, die du am Ende trägst und spürst.

Keramik-Ohrstecker, filigran und federleicht. Keramik-Ohrringe mit echten Pflanzenabdrücken, jedes Stück ein Unikat. Silberketten mit Keramikanhänger. Alles von Hand angefertigt, zweimal gebrannt, glasiert in Leipzig-Plagwitz.

Neugierig geworden? Alle Keramik-Ohrringe findest du hier ✨

Keramik-Kollektion
Glasurbrand

Der Vorher Nachher Zauber 🪄

Dieselben Teilchen: vor und nach dem Glasurbrand. Was vorher blass und matt war, ist jetzt tief, leuchtend, lebendig.